Neue Berufskrankheiten anerkannt

06.01.2015

Am 01.01.2015 ist die Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung vom 22.12.2014 in Kraft getreten. Sie betrifft in bestimmten Fällen: Carpaltunnel-Syndrom, „weißen Hautkrebs“, Gefäßschädigungen der Hand, Kehlkopfkrebs.

Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung werden nicht nur bei Arbeitsunfällen erbracht, sondern auch bei Berufskrankheiten. Dies gilt allerdings nicht für jede Erkrankung, die berufsbedingt entstanden ist, sondern ein Anspruch auf Leistungen kann (mit wenigen Ausnahmen) nur entstehen, wenn eine Berufskrankheit durch den Gesetzgeber in der Berufskrankheiten-Verordnung ausdrücklich anerkannt ist. In der Verordnung werden die Erkrankungen und/oder ihre Ursachen näher beschrieben.

Wichtig für die jetzt neu anerkannten Berufskrankheiten: Eine Anerkennung kommt auf Antrag auch dann in Betracht, wenn die Berufskrankheit vor dem 01.01.2015 eingetreten ist.

Es geht um folgende Berufskrankheiten:

1. Carpaltunnel-Syndrom (auch: Karpaltunnel-Syndrom) durch repetitive manuelle Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hände oder durch Hand-Arm-Schwingungen

Das hat Bedeutung vor allem für folgende Berufsgruppen:

Fleischverpacker, Fließbandarbeiter in der Automobilindustrie, Forstarbeiter beim Umgang mit handgehaltenen vibrierenden Werkzeugen (Motorsägen), Geflügelverarbeiter, Kassierer im Supermarkt mit Umsetzen von Lasten, Masseure, Polsterer, Steinbohrer.

Dies ergibt sich aus einer Empfehlung des Ärztlichen Sachverständigenbeirats aus dem Jahr 2009.

2. Larynxcarcinom (Kehlkopfkrebs) durch intensive und mehrjährige Exposition gegenüber schwefelsäurehaltigen Aerosolen

Es können z. B. folgende Industriezweige oder Verfahren betroffen sein:

Schwefelsäureproduktion, Seifen- und Lösungsmittelproduktion, Bleiakkumulatorenherstellung, Metalloberflächenbehandlung, Papierherstellung.

Das ergibt sich aus einer Empfehlung des Ärztlichen Sachverständigenbeirats aus dem Jahr 2011.

3. Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut („weißer Hautkrebs“ und Vorstufen)  durch natürliche UV-Strahlung

Betroffen sein können vor allem Tätigkeiten im Freien in der Land- und Forstwirtschaft, in Baugewerbe und Handwerk, Fischerei und Seefahrt oder auch Tätigkeiten als Straßenarbeiter, Bademeister oder Bergführer.

Es sind verschiedene Kriterien zu berücksichtigen wie etwa der Schutz während der Arbeit oder auch die Belastung in der Freizeit.

Das ergibt sich aus einer Empfehlung des Ärztlichen Sachverständigenbeirats aus dem Jahr 2013.

4. Gefäßschädigungen der Hand durch stoßartige Krafteinwirkung (Hypothenar-Hammer-Syndrom und Thenar-Hammer-Syndrom)

Es geht hier um Arbeiten, bei denen die Hand wie ein Hammer verwendet wird oder in denen die Hand durch Werkzeuge Vibrationen und Schlägen ausgesetzt ist.

Betroffen sein können Berufsgruppen wie etwa Dachdecker/Zimmerleute (z. B. Benutzen der Hand als Schlagwerkzeug zum Einrichten von Dachsparren), Kfz-Mechaniker (z. B. Schläge auf Schraubenschlüssel zum Lösen festsitzender Muttern, Montieren von Radkappen, Ausbeulen von Karosserieteilen mit der Faust), Möbeltransporteure (z. B. Stoßen oder Schieben schwerer Gegenstände).

Dies ergibt sich aus einer Empfehlung des Ärztlichen Sachverständigenbeirats aus dem Jahr 2012.

Zum Profil von Ursula Mittelmann